Die in Chur geborene Künstlerin Ursula Palla (*1961), die heute in Zürich lebt und arbeitet, ist bekannt für ihre Videoinstallationen von poetischer Dichte. In diesen überlagern sich realer und virtueller Raum, um die ambivalente Beziehung zwischen Natur und Technik zu beleuchten. Ihre Werke, die auf gründlicher Recherche basieren und eine kritisch-konzeptuelle Herangehensweise zeigen, nutzen oft sensible Materialien wie gegossenen Zucker, Kohlestaub oder Schnee. Nach einer Ausbildung zur Ergotherapeutin und einem Psychologiestudium studierte Palla von 1989 bis 1992 an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich. Dort spezialisierte sie sich auf Malerei, Installation und Medienkunst und arbeitete zeitweise als Assistentin von Pipilotti Rist, was ihre frühe Auseinandersetzung mit dem Medium Video prägte. Zwischen 1994 und 2012 war sie zudem Mitglied der Performancegruppe Cooperation Project X (cpx). Ein zentrales Thema in Pallas Schaffen ist die vom Menschen manipulierte Künstlichkeit der Natur. Ihre Installationen thematisieren die Fragilität von Natur und Tierwelt und schaffen eine poetische Ästhetik, die Leerstellen aufzeigt und zur Reflexion über die eigene Verantwortung gegenüber der Umwelt anregt. 2017 war Palla im Rahmen der triennalen Ausstellung Kunstwege | Vias d'art in Pontresina vertreten, wo sie mit ihren Werken die Grenzen zwischen Realität und Künstlichkeit auslotete. Ihre Werke wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt, darunter im Bündner Kunstmuseum Chur, in der Hamburger Kunsthalle und im Kunsthaus Zürich. Eine grosse Einzelausstellung unter dem Titel Nowhereland fand 2022 im Bündner Kunstmuseum statt. Ursula Pallas Kunst ist ästhetisch ansprechend, vermittelt aber stets eine kritische oder subtil humorvolle Botschaft.
Ursula Palla
TIME NO LONGER – und THE SILENT WHITE, 2026
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TIME NO LONGER –
Dieses Werk ragt aus der Häuserzeile in die Via Maistra. Das Schild mit dem Schriftzug «art art art» verweist auf Pontresina als Ort der Kunst, als Sprachfuge zwischen Welten. Mehrsprachig – rätoromanisch, englisch, französisch – erinnert es an Verbindendes, Grenzüberschreitendes, an Zusammenkommen und Austausch. Eine Kugel ergänzt das Schild – eine Erdkugel ohne Kontinente und Länder –, welche Grenzen auflöst und Lokales mit Globalem verbindet. TIME NO LONGER dreht sich im Wind, in eigenem Takt: vorwärts, rückwärts, schneller, langsamer, im Augenblick verweilend, frei von Uhr und Mass und ohne Richtungen zu geben. Seine Schatten wandern über Strasse und Mauern, erweitern das Kreisen und laden ein, Neues zu sehen und zu denken. Ein Innehalten und ein Lauschen auf das Fremde im Vertrauten wird möglich; die Arbeit wird zu einem gemeinsamen Jetzt, zu einem Ort, an dem Nähe und Weite sich begegnen.
Ursula Palla
TIME NO LONGER –
auskragendes Schild, drehend, Eisen, patiniert, schwarz, 45 kg, 68 x 160 x 50 cm
Laret, Chesa Lina, Via Maistra 114
Kunstwege | Vias d’art Pontresina 2026
THE SILENT WHITE
Diese Glasskulptur mit Einschlüssen von Steinen, Sand und Pflanzenresten vom Piz Languard erinnert an ein Stück Permafrost. Im Dorfteil Laret platziert, wirkt sie, als habe sie sich vom Berg gelöst. Je nach Lichteinfall schimmert sie bläulich, grau oder in wechselnden Weisstönen. Sie lässt partiell tief hineinsehen und ermöglicht so einen Blick auf Verborgenes und auf vergangene Prozesse – auf eine unsichtbare, doch wertvolle Festigkeitsschicht, die Material aus verschiedenen Zeiten verbindet, Steinbrocken und Erdschichten zusammenhält, Landschaften stabilisiert und vor Erosion schützt. In der Arbeit treffen sich Erdgeschichte und Gegenwart und verweisen auf die Auflösung des Permafrosts im sich erwärmenden Klima sowie auf die dadurch bedingte Zerstörung beziehungsweise den Wandel der Lebensgrundlagen der bisherigen Fauna, Flora ... und unserer Zivilisation.
Ursula Palla
THE SILENT WHITE, 2026
Glasskulptur, Glas, Sand, Steine,
92 x 96 x 85 cm, 300 kg
Laret, Passage, Via Maistra 123
Kunstwege | Vias d’art Pontresina 2026