Mirko Baselgia

Der Bildhauer und Installationskünstler Mirko Baselgia, geboren 1982 in Lantsch/Lenz, ist für seine prozesshaften Werke bekannt, in denen er Naturmaterialien und natürliche Prozesse kunstvoll verarbeitet . Nach einer Ausbildung zum Hochbauzeichner studierte er bis 2010 an der Zürcher Hochschule der Künste und erlangte den Master in Fine Arts. In seiner künstlerischen Praxis fordert Baselgia die Betrachter heraus, indem er die Bedeutung seiner Arbeiten dem Rezipienten überlässt. Er nutzt lokale, natürliche und rezyklierte Materialien wie Holz, Wachs, Alabaster, Bronze und Marmor, um philosophische und wissenschaftliche Fragen zu reflektieren. Dabei integriert er oft naturhafte Prozesse in seine Kunst: So liess er für sein Werk Endoderm (2014) einen Murmeltiergang in Zement ausgiessen und später in Bronze nachformen, um das Unsichtbare sichtbar zu machen. Auch das Verhalten von Bienen wird in seinen Werken aufgegriffen. Baselgias Schaffen, das oft leise, beseelt und zurückhaltend wirkt, regt dazu an, den eigenen Platz im System Erde zu überdenken. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen in der Schweiz und international gezeigt, darunter im Bündner Kunstmuseum Chur (2013), im Kunstmuseum Olten (2014) und in der Abbatiale de Bellelay (2021). Er hat auch an Gemeinschaftsprojekten wie der Renovierung der Kirche Felsberg mitgewirkt. 2013 wurde er mit dem Manor Kunstpreis ausgezeichnet.

Arbeiten Kunstwege | Vias d'art Pontresina 2026

«surface reversed» und «stages of dissolution», 2026

Standort 8 und 9                               >zur Karte

surface reversed
Die PVC-Blache einer Werbefläche im Parkhaus Rondo in Pontresina wird umgedreht. Werbeflächen sind auf Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit ausgerichtet, aber während der Ausstellungsdauer verkehrt sich dieses Prinzip ins Gegenteil und die Fläche wird in einen ruhigen Zustand versetzt. Die bedruckte Seite verschwindet nach innen; sichtbar bleibt die unbedruckte Rückseite als homogene, helle Oberfläche. Der Eingriff beschränkt sich auf diese Umkehrung. Es werden keine weiteren Elemente hinzugefügt.
Die Fläche verbleibt in ihrer technischen Funktion, entzieht sich jedoch ihrer bildgebenden Aufgabe. Sie zeigt keinen Inhalt, sondern ihre Ausrichtung. Im Kontext des Parkhauses erscheint die Arbeit als umgekehrte Werbefläche ohne kommerzielle Botschaft, deren Bild auf die Materialoberfläche zurückgeführt wird.

Mirko Baselgia
surface reversed, 2026 
PVC Blache Weltformat, 285 x 159 cm
Parkhaus Rondo, Ebene 1,
Via Maistra 131
Kunstwege | Vias d’art Pontresina 2026

stages of dissolution
Diese Skulptur entwickelt sich als vertikale Sequenz von Elementen, die von einem geschlossenen, tragenden Zustand in zunehmend offene und instabile Formen übergehen. Die Arbeit besteht aus einer Struktur aus Holz, aufgebaut aus Schindeln und lamellierten Trägerelementen. Von unten nach oben verändern sich die Dichte und Integrität der Form: Geschlossene Volumen lösen sich auf, werden durchlässig, fragmentarisch und verlieren ihre Stabilität. Die Skulptur ist bewusst nicht als abgeschlossenes Objekt konzipiert. Während der gesamten Ausstellungsdauer bleibt sie der Witterung ausgesetzt. Feuchtigkeit, Temperatur und Zeit greifen in das Material ein und führen die angelegte Transformation weiter. Sichtbar wird ein Körper, der sich nicht behauptet, sondern verändert. Auflösung erscheint dabei nicht als Ende, sondern als Zustand, der im Material selbst angelegt ist.

Mirko Baselgia
stages of dissolution, 2026 
Holzskulptur, sieben Segmente, 
Dreischichtplatten aus Fichte, Arvenholzfurnier, Stahl, 400 cm, Ø 209 cm 
Platz Jugendbrunnen, Via Maistra 131 
Kunstwege | Vias d’art Pontresina 2026
Courtesy the artist and Galerie Urs Meile