Der 1964 in Davos geborene Schweizer Fotokünstler Jules Spinatsch ist international für seine konzeptuelle Dokumentarfotografie, Video- und Bildinstallationen bekannt. In seinen Langzeitprojekten und seriellen Fotozyklen, die er in Zürich und Wien entwickelt, hinterfragt er kritisch die mediale Darstellung von Ereignissen und die Mechanismen der Wahrnehmung. Nach einer Lehre als Radio/TV-Elektroniker und einem Elektrotechnikstudium wandte sich Spinatsch autodidaktisch der Fotografie zu, nachdem er zuvor Soziologie studiert hatte.
Spinatsch arbeitet oft mit semiautomatischen Aufnahmetechniken, wie der Panoramafotografie, die er mithilfe selbst entwickelter Systeme oder in Zusammenarbeit mit Ingenieuren umsetzt. Seine Werke befassen sich mit Themen wie Überwachung, der Inszenierung alpiner Landschaften, geopolitischen Ereignissen und den Bedingungen der Fotografie selbst. Zu seinen bekanntesten Werkzyklen gehören Temporary Discomfort(2005), eine Arbeit über den G8-Gipfel in Genua, die 2006 im MoMA in New York gezeigt wurde, und Snow Management Complex (ab 2007), in dem er die durch die Tourismusindustrie kontrollierte Transformation der Alpenlandschaft thematisiert. Seine Panoramafotografie-Projekte fasste er im Zyklus Semiautomatic Photography (2003–2020) zusammen.
Auch in seiner Heimatregion zeigte Spinatsch seine Arbeiten: Im Rahmen der Ausstellung Arte Albigna im Bergell war er 2017 mit der Werkserie Albigna vertreten, die auf seinem Aufenthalt bei der Albigna-Staumauer im Bergell basierte. Eine weitere ortsspezifische Installation präsentierte er in Laax. Als einer der erfolgreichsten Fotokünstler seiner Generation wurde Spinatsch mehrfach ausgezeichnet und seine Werke in renommierten internationalen Institutionen wie der Tate Modern in London und dem Kunsthaus Zürich ausgestellt.