Andriu Deplazes

& >Estelle Labes

The Swiss painter and draughtsman Andriu Deplazes (born in Zurich in 1993), who lives and works between Marseille, Paris and Zurich, has made a name for himself internationally with a distinctive style that blurs the line between reality and surreal, dreamlike visions. After completing his Bachelor’s degree in Fine Arts at the Zurich University of the Arts (ZHdK), he was awarded the Helvetia Art Prize in 2017, bringing him early recognition. In his paintings, often created in oil on self-made canvases, as well as in his drawings, Deplazes creates a world characterised by an ambivalent atmosphere somewhere between the apocalypse and the Garden of Eden. Recurring motifs include deformed human bodies, rampant vegetation and vast landscapes. His figures often appear enigmatic, meditative or vulnerable, whilst dwelling in dreamlike landscapes. Deplazes plays with abstraction, bold colours and distorted perspectives to create an emotional tension. He draws inspiration from late 19th- and early 20th-century artists such as Ferdinand Hodler, Pierre Bonnard and Nancy Spero, but reinterprets these influences in a contemporary manner. Deplazes’ works have been exhibited in numerous galleries and museums, including the Bündner Kunstmuseum Chur, where he held his most comprehensive solo exhibition to date, entitled Red Eyes, in 2019 as part of the Manor Art Prize. His works were also presented at Art Basel Unlimited 2025. His art invites the audience to engage with the ambiguity of his depictions and to reflect on questions of human identity and our relationship with nature.

Arbeiten Kunstwege | Vias d'art Pontresina 2026

Balkon im Freien und Ovaler Fensterblick auf Gletscher, 2026

Standorte 1 und 2           >zur Karte

Balkon im Freien
Der Balkon des Ramses-III.-Tempels am Nilufer aus dem Jahr 1218 v. Chr. könnte eines der ältesten Bauwerke seiner Art sein. Ein Ort, von dem aus der Pharao sein Volk überblickt, ohne Gefahr zu laufen, bedrängt zu werden. Der Balkon hat sich im Laufe der Epochen und in unterschiedlichen Kulturen diversifiziert, seine ursprüngliche Funktion als Bühne für einen Auftritt jedoch nie verloren. Heute wird er als Ort der Entspannung und des Eintauchens in die Natur und Umwelt empfunden, ohne daran aktiv teilhaben zu müssen. In dieser Installation wird der Balkon durch Gletschervliese (Diavolezza) von der Hotelfassade isoliert, die organischen Spuren des Gletschers werden als Abdruck ersichtlich. Das Tourismushotel verschwindet hinter einem Vorhang, der den Schnee vor dem Schmelzen schützen soll. Auf dem Balkon erblickt man Katzen, bei denen man sich fragt, ob sie zum Haus «gehören».

Andriu Deplazes | Estelle Labes 
Balkon im Freien, 2026
Gletschervlies, 1370 x 1300 cm, 7 Skulpturen aus gehärtetem Gips, Soundfile D, F, I, R, Lautsprecher
Hotel Weisses Kreuz, Via Maistra 91 Kunstwege | Vias d’art Pontresina 2026

Ovaler Fensterblick auf Gletscher
Das erste Zelt wurde in Moldawien gefunden und stammt aus der Zeit um 40’000 v. Chr. Es zeugt von einer Nomadenkultur, in der Natur und menschliche Verletzlichkeit in ständigem Wechselspiel stehen. In diesem Ölbild, das in der Nische der Fassade des ehemaligen Pferdestalls des Dorfarztes von Pontresina hängt, liegt ein Körper in einem Zelt. Indes ist es nicht wie bei den Nomaden sein Zuhause, sondern eher ein zwischenzeitlicher Unterschlupf auf einer Wanderung. Das Zelt besteht jedoch nur aus Stangen, es hat keine Seitenwände. Der Körper ist gänzlich seiner Umwelt ausgesetzt und von dem über die Alpen fliegenden Militärjet und seinen Messgeräten leicht zu erfassen. Als Betrachtende blicken wir durch das ovale Fenster in den Pferdestall, um in eine künstliche Naturszenerie einzutauchen, in der die Wildnis und die Existenz des Menschen ineinanderfliessen.

Andriu Deplazes | Estelle Labes 
Ovaler Fensterblick auf Gletscher, 2026
Öl auf Leinwand, 570 x 209 cm
Laret, Chesa Campell, Via Maistra 107
Kunstwege | Vias d’art Pontresina 2026