Andrea Todisco

Der Bündner Künstler Andrea Francesco Todisco (*1998) arbeitet prozessorientiert und nutzt archaische Elemente und Materialien aus der alpinen Landschaft, um Geschichten zu erzählen. Aufgewachsen in Rhäzüns und studiert an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), legt Todisco in seinem Schaffen einen Fokus auf die spezifischen Eigenschaften von Naturmaterialien wie Schnee, Wasser, Erde, Holz und Salz. Seine Werke sind Teil einer Narration, die das Grundlegende und die Wandelbarkeit von Material und Raum erforschen. Todisco nutzt oft ortsspezifische Installationen, um philosophische Fragen über die Natur und ihre Prinzipien aufzuwerfen. Seine Arbeit Salz und Gatter (2023) im Bündner Kunstmuseum ist ein markantes Beispiel dafür. In dieser raumfüllenden Installation errichtete er einen Berg aus Salz, der von Metallgattern umgeben war. Das Werk visualisierte auf metaphorische Weise die Kräfte der Natur und ihre physischen Prinzipien, indem es die Vergänglichkeit des Salzes und die Grenzen der menschlichen Ordnung thematisierte. Auch seine Teilnahme an der Biennale Art Safiental 2024 mit dem Werk Bauprofile (2024) zeigt seine Auseinandersetzung mit Land Art und dem Verhältnis von Natur, Architektur und Projektionen von Zukunft. Für Todisco ist das Material nicht passiv; es besitzt eine inhärente Bedeutung, die es dem Rezipienten zu enthüllen gilt. Seine Kunstwerke sind oft das Ergebnis eines Prozesses, der die Vergänglichkeit und den Wandel der Materialien zum Ausdruck bringt. 2023 wurde Todisco für sein Schaffen mit dem Kunstpreis des Bündner Kunstvereins ausgezeichnet, der eine Einzelausstellung im Bündner Kunstmuseum beinhaltete. 

Arbeiten Kunstwege | Vias d'art Pontresina 2026

Meer und Zaun, 2026

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Meer und Zaun
Ich glaubte immer ganz genau zu wissen, wo das Meer begann und das Land endete. Jede Karte suggerierte mir diese klare Linie, und als ich das Meer aus der Ferne sah, war sie auch da. Auf der einen Seite mein grosser trockener Garten, auf der anderen das Getöse der Wellen.
Zuerst betrachtete ich das Land, hier hatte ich gelernt zu leben und mir gefiel, wie klar alles darin zu sein schien, wie feine Linien die Dinge voneinander trennten und alles einen Namen hatte. Dann horchte ich dem Meer und mir war, als ob es dort nur Rauschen und keine Akkorde gäbe. Ich wollte meine Welt vor der drohenden Unordnung des Gegenübers bewahren, und als ich versuchte, der Linie entlang zu bauen, löste sich diese fortwährend auf. Weder der Wind noch die Wellen machten daran halt. Mal wurde der Sand nass und klebrig, mal lag das Meer von Wasser unbedeckt da.

Andrea Todisco
Meer und Zaun, 2026     
Ein-Kanal-Video mit Audio, Monitor, 43 Zoll, 95 x 53 cm, Videoloop 22’30’’ 
Laret, Chesa La Cuort, Via Maistra 102
Kunstwege | Vias d’art Pontresina 2026

Assistenz bei der Videoperformance: Aliosha Todisco